Dr. Lisa’s Mentawais Trip

By , 18.11.2011 11:44


Blue Tomato Teamriderin Lisa Veith erzählt von ihrem Surftrip auf der “Sama Sama” durch die indonesischen Gewässer, von tollen Wellen und allem was zu einem solchen Trip dazugehört:

 

Part One  (über die Reisenden, nette und weniger nette Australier, kitschige Palmeninseln und Fin-Cut-Näherei)

11 Boardbags, 3 Kühlboxen und 3 Reisetaschen türmen sich vor dem kleinen zierlichen Schalterbeamten vom Bodenpersonal auf.
9, 12, 7, 18… schreibt er auf einen Zettel untereinander, dann rechnet er alles zusammen: 158kg Gepäck. Wir sind zu viert!
Auf jedem internationalen Flughafen würde einem dieser Sachverhalt die Schweißperlen aufsteigen lassen, mit der Erwartung demnächst viel Geld im 3 stelligen €-Bereich für Übergepäck loszuwerden. Uns stehen zwar auch die Schweißperlen im Gesicht, aber allein aufgrund der tropischen Umgebungstemperatur!
Wir sind am Domestic Airport Ngurah Rai, Denpasar, Bali.
Unser Ziel: Padang, Sumatra.
Dort wartet die „Sama Sama“ auf uns, das chilligste und gemütlichste Surfboot das ich kenne! (Deswegen heuer ich ja auch schon zum 5. mal dort an.)
Mit ihr werden wir die weltbekannten Surfsports der Mentawais erkunden!

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Zettel des Schalterbeamten werden wir zum Office der „Garuda Indonesia“ geschickt, sozusagen der Austrian Airlines von Indonesien. Eine nette Balinesin tipselt etwas in ihren Taschenrechner und verkündet uns dann: „One-hundred-twenty-eight-thousand Rupia, please!“ Umgerechnet ca. 12€. Für unser gesamtes Übergepäck. Da sollte sich die Lufthansa mal ein Bespiel nehmen, sowas nennt man Unterstützung motivierter junger Sportler! Nach kurzem Zwischenstop in Jakarta, wo noch Isa zu uns stößt, landen wir am Abend in Padang.

Meine Mitreisenden:

Christian, Gian-Reto und Isa aus der Schweiz, Sören aus Deutschland.
Auf der ersten Insel holen wir dann noch Karin, Mirko und Ivo ab. Ebenfalls 3 Schweizer. Eindeutig in der Überzahl! Karin Hösli, Roxy-Teamfahrerin und mein zweiter bird-on-board, ist die einzige, die ich schon kenne, außer der Crew natürlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die anderen werde ich in den nächsten Tagen wohl kennenlernen!
Mirko Schadegg, selbst super Surfer und ausgerüstet mit professionellem Fotoequipment inkl. 500er Objektiv, wird unser Fotograf an Bord sein. Er, Ivo und Karin haben bereits die 2 vorhergehenden Boat-Trips mitgemacht, sind insgesamt also schon 1 Monat auf der Sama Sama! Dementsprechend relaxed und surftechnisch befriedigt sind sie schon!
Isa ist unsere weibliche Verstärkung. Snowboard-Freestyle-Nachwuchstrainerin, super Surferin und Powerfrau. Ivo ist unser gechillter Longboarder, ebenfalls Snowboardnachwuchstrainer. Sören ist der jüngste an Bord, Gartenbauspezialist und auf der letzten Etappe einer 1 1/2 jährigen Weltreise. Paddelt in jede Welle rein, egal wie groß oder hohl. Christian und Gian-Reto, unsere Fun-Board-Delegation, sind der ruhende Pol auf dem Boot und Spezialisten in einem schweizer Spiel, das ich auch nach 10 Tagen noch nicht ganz durchschaut hab, eine Mischung aus Mensch-ärgere-dich-nicht und Kartenspiel.

Nach ruhiger erster Überfahrt haben wir gleich bei „Nipussi“ unseren ersten Surf.
Eine perfekte Rechte, die großen Setwellen deutlich überkopf* hoch aber nicht bösartig. Die Welle lässt schon erahnen welche Perfektion auf den Mentawais als Standard herrscht! Am nächsten Tag erwartet uns dort noch eine Morningsession, genauso glassy* und perfekt geshaped, wenn auch etwas kleiner. Im Line-Up* sind nur wir und ein paar sehr nette ältere Australier. Diese sind, wie meistens, höchst erstaunt, wie wir, als Binnenländer, uns auf nicht-zu-Schnee-geformtem Wasser überhaupt zurechtfinden können! Die Stimmung ist prächtig, jedesmal lautes Gejohle wenn jemand eine feine erwischt Welle hat. So sollte es immer sein!

Zu Mittag geht’s weiter Richtung „Kandui“. Zwischen kitschigen weißstrandigen Palmeninseln, umgeben von türkisem Wasser, erwartet uns „A-Frames“. Eine schnelle Linke, die sich fast um 90 Grad dreht und man wie in einer Bowl um die Kurve surft! Wenn man durch die Sections* kommt hat man eine sehr lange Welle! Trotz zunehmendem Wind und choppy* Bedingungen ist die Welle superlustig, auch unsere Funboard-Delegierten sind begeistert. Der nächste Tag ist leider etwas windig, sodaß wir auf geschütztere Spots ausweichen müssen. Diese Idee haben wir leider nicht alleine. Das Line-Up von „Beng Beng“ ist ziemlich voll. Die Stimmung ist angespannt, obwohl zuerst nur mal wir Mädels dazustoßen. Eine Gruppe Australier sitzt am Peak und sie teilen sich die Setwellen untereinander auf. Humor haben sie leider wenig und missverstehen unsere scherzhaft gemeinte Frage ob sie nicht schon Lust auf Frühstück hätten… Naja, letztendlich müssen wir Mädels uns vorwerfen lassen aggressiv zu sein! However! Offensichtlich vertragen es nicht alle Australier wenn man als Alpenländler besser surft als sie! Am Abend geht‘s dann weiter zur nächsten Überfahrt. Diesmal ist die See unruhiger. Dafür empfängt uns am Morgen in der Nähe von „Sipura“ eine Left ohne Namen aber mit einer etwas größerern Outside*. Eine schnelle sehr feine Welle. Da es windig bleibt, sicher die beste Option derzeit, also verbringen wir hier die nächsten 2 1/2 tage. Morgens und abends gibt‘s immer glassy Bedingungen. Die Outside ist nicht so ganz „my friend“ aber die Inside* ist genau mein Fall, ziemlich shiftender Peak* aber die größeren Setwellen laufen ewig! Die Jungs vergnügen sich inzwischen an der Outside, wobei am ersten Tag Joachim, der Skipper und am 2. Tag Sören einen Fin-Cut* mit nach Hause bringen! Einmal Oberlippe, einmal Ellenbeuge! Und ich dachte wirklich ich sei da auf Urlaub… ;)
Simsalabim und der Chillcorner wird zum OP umgewandelt.
Mit Schwester Mirko als Assistenz sind die sauberen Finnen-Schnitte rasch vernäht. Wiedermal nicht umsonst mitgeschleppt mein Dr. Lisa-Nähset!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Part Two (über Boot-Party, gesunde Selbsteinschätzung, Tsunami-Panik und Barrels)

Der nächste Stop ist „Telescopes“!
Eine der bekannteren Wellen in der Gegend. Leider zu viel Wind, zu groß und zu viele Boote. Also parken wir eine Bucht weiter und initiieren spontan eine Bootparty mit Karin’s Vodka. Dieser wäre eigentlich für die erste Tube gedacht gewesen, aber die holen wir uns schon noch! Bis auf den Captain sind alle voll dabei beim Feiern! Sogar die Crew genehmigt sich einen Arrack (Reisschnaps, stark, wenig empfehlenswert!)!
Das Achterdeck wird zum Dancefloor! Ausgelassene Stimmung und Party bis tief in die Nacht… genauer gesagt, bis um 21uhr, um 21.30uhr sind alle im Bett! Am Boot gehen die Uhren halt anders aber wir haben ja auch schon um 18uhr begonnen!

Am nächsten Tag starten wir den nächsten „Telescopes“ Versuch! Es ist etwas kleiner, weniger windig aber genauso crowded*! Letztendlich lass ich mich immer weiter in die Inside pushen um mir dann ein Souvenir am Fuß vom Riff zu holen. Tja, selbst Schuld! Wohl nicht mein Tag! Über Nacht geht‘s dann weiter Richtung „Lances Right“. Noch eine der bekannten Wellen. Diese scheint uns dann jedoch, bei voller Lowtide* und deutlich überkopf, doch noch eine Nummer zu groß für uns Bergfuzis! Bei „Lances Right“ gibt‘s nämlich nur eine Line: take-off und ab in die Barrel! Wenn das nicht klappt, landet man auf dem Riff, dort liebevoll „Surgeons-table“ genannt!
Da wir bereits 2 mal unsere Chillarea zum „Surgeons-table“ umwandeln mussten, verzichten wir einstimmig auf einen Versuch! Stattdessen beobachten wir andächtig ein paar Australier, die offensichtlich genau wissen was sie tun! Selbst diese müssen ein paar mal von ihrem Dingi* aus der Inside gerettet werden. Wir bereuen unsere Entscheidung nicht! Weiter geht‘s zu „Lances Left“. Mir ist die Welle etwas unheimlich, wahrscheinlich wegen der vielen Quallen und suspekten Rückenflossen im Line-up! Mirko, Sören und Ivo hält das aber nicht ab. Sie surfen eine fette Mutti nach der anderen, respect! Sören bezahlt dafür jedoch mit seiner Mittelfinne, die wohl im Riff stecken geblieben ist! Am Abend geht‘s dann weiter Richtung „Maccaronis“, lässig “Maccas” genannt! Wir übernachten in einer Bucht kurz davor, laut Captain Tsunami sicher!
Sehr beruhigend! Schließlich sind wir genau in dem Gebiet wo vor 1 Jahr ein Tsunami mehrere Boote, ein Resort und Dörfer zerstört hat. Dazu kommt, dass in den letzten Tagen einige SMS von besorgten Familienangehörigen durchgekommen sind, die von Erdbeben im Bereich Bali, Java und Sumatra gehört haben! Naja, ich vertraue dem Captain! Am nächsten Morgen, Gott sei Dank ohne Tsunami Intermezzo, gibt‘s dann einen glassy Aufwärm-Surf auf einer No-Name-Left, dann geht’s auf nach „Maccas“! Angeblich Kelly Slaters Lieblingswelle! Und wie ich gleich herausfinden sollte auch meine! An Land von „Maccaronis“ sieht man noch die Schäden, die der Tsunami hinterlassen hat. Viele tote Bäume, kahle Stellen und das Resort ist noch nicht ganz wieder aufgebaut. Nur ein einziges anderes Boot liegt vor Anker und das an einem der bekanntesten Spots der Mentawais. We were very lucky!!! Die Bedingungen sind perfekt: glassy, etwas überkopf groß, max. 8 Surfer im Line-Up! Darunter ein paar, die aus dem Resort sind und den Tsunami miterlebt haben und jetzt zum einjährigen Gedenken zurück gekommen sind. Trotzdem herrscht eine super entspannte Stimmung und hohes Surfniveau. Die Australier vom anderen Boot holen sich eine Barrel* nach der anderen. Also konnte ich gar nicht anders als mir auch eine Barrel holen!!! Unter lautem Gejohle meinerseits und auch der Australier vom Boot, die optimalen Blick in die Tube hatten. What a feeling!!! Deutlich unterschätzt, wie ich finde! Jetzt kann ich nachvollziehen, wieso man sich immer wieder freiwillig in eine vermeintliche Close-out-Welle* hineinstellt mit der Hoffnung aus der Barrel wieder rauszukommen! Und kein Vergleich zur sogenannten „Österreicher-Barrel“: das Lip-Dacherl über dem Kopf und die Barrel hinter einem und man weiß nie so genau ob‘s eine war oder nicht!? Bei der richtigen Barrel merkst Du einfach dass es eine war!
Wicked! Awesome! Gorgeous!
Empfehlen darf ich es ja an dieser Stelle nicht, aber es ist einfach geil! Da „Maccas“ unser letzter sicherer Surf sein sollte, surfen sich dort alle so viel wie nur möglich, ich selbst komme erst bei Dunkelheit aus dem Wasser, nach 6 Stunden! Naja, man muss die Feste feiern wie sie fallen! „Maccas“ war ein Fest! Und was für eines!!! Mit einem steilen aber feinen Drop als Begrüßungs-Cocktail, einer Barrel zum Hauptgang und einer langen Wall für Turns zur Nachspeise. Als Schlummertrunk dann noch Sonnenuntergangs-Lichtspiele mit Regenbogen. Kitschiger geht’s schon nicht mehr! Ein würdiger Abschluss unseres Trips! Ich bin gänzlich ausgesurft, meine Arme kann ich nur mehr für die allernotwendigsten Bewegungen heben, wie z.B. ein Bintang, balinesisches Bier, zum Mund zu führen! Aber eigentlich spüre ich mich kaum vor lauter Euphorie. Mein Barrel-Dauergrinsen sollte noch lange andauern! Über Nacht und am nächsten Tag geht es dann weiter Richtung „Benkulu“, dem Zielhafen. Die Überfahrt ist unruhig und ich verteile fleißig Tropfen gegen Übelkeit. Stundenlang lieg ich in der Chillarea am Achter-Deck und lasse mich vom Meer hin und her schaukeln. Lasse nochmal den ganzen Trip revuepassieren und ertappe mich immer wieder dabei, wie sich ein fettes Grinsen über mein Gesicht zieht! Als ich am nächsten Tag von Bord gehe bin ich sicher, dass es nicht das letzte Mal sein wird! Thanx „Maccaronis“, thanx Mentawais, thanx Sama Sama and the Crew, thanx an alle meine lieben Mitreisenden, es war ein superfeiner Trip mit Euch!
Special thanx an Mirko, der mit seinen Pics diese einzigartigen Momente festgehalten hat, sodass ich mein Dauergrinsen jederzeit wieder auffrischen kann, wenn ich mir die „Macca“ Photos ansehe!!!

Terima kasih, sampai jumpa lagi!
(Thx , c u again!)

Eure Dr. Lisa Veith

 

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