Dr. Lisa’s 8.Bali-Trip
Eigentlich wollte ich ja diesen Sommer mal woanders hinfahren. Nicht schon wieder Bali. Aber irgendwie hat es sich dann doch wieder ergeben, dass ich erneut auf der Insel der Götter landete. Man kommt einfach nicht los von der Anziehungskraft und dem Zauber dieser kleinen indonesischen Insel. Bereits zum 8. Mal packte ich mein Zeug für Bali. Das übliche Setup: 2 Boards (diesmal 5.10 und 6.4), Skatedeck, Medizinkoffer und möglichst wenig Kleidung! Obwohl ich mir jedes Mal vornehme weniger mitzunehmen landet trotzdem immer zu viel im Koffer!!Nicht lernfähig! Schließlich gibt es auf der Surferinsel doch 1-2 Surfshops an denen man einfach nicht vorbeigehen kann…
However, mit Sack und Pack und Sonntagslächeln bewaffnet stand ich dann wieder einmal vor der Flughafenschalter-Lady und hoffte auf Gnade bezüglich meines Sportgepäcks. Immer wieder ein Thrill, zahlt man viel oder nichts für den Surfboard-Transport! Reines Glücksspiel, man könnte genau so gut eine Münze werfen! Nach längerem hin und her und ein bisschen jammern musste ich dann doch nichts zahlen! Wann, liebe Airlines, gibt es da endlich eine fixe Regelung??
Ca. 20 Stunden später und 20° wärmer, stand ich dann schon am Flughafen Denpasar und hielt Ausschau nach meinem Bali-Camp-Abholservice. Kein leichtes Unterfangen in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht der einzige Tourist war, der erwartet wurde. Dementsprechend viele Hotel-Abgesandte und „ freiberufliche“ Transporteure wedelten mit Schildern. Aus jeder Ecke war: „ Transport, Transport, yeees, yeees, good price…“ zu hören. Aber das war ja alles nix neues….nur mein Balicamp-Driver, der war neu! Und ich dachte alle schon zu kennen. Aber in einem Jahr tut sich dann auch in Bali einiges! Auch neue Gebäude waren zwischen Camp und Flughafen gewachsen, und ums Camp herum. Dank üppiger tropischer Vegetation wird jedoch der Blick auf die großzügig angelegten Villen-Anlagen versperrt!
Am Camp angekommen erwartete mich sonst alles wie üblich. Das Timing war natürlich auch perfekt: Freitag Abend, Cocktailnight! Der Urlaub sollte offensichtlich gleich mit Party begonnen werden! Arack (Reisschnaps!) als Therapie gegen Jet-Lag! Bis um halb 6 Uhr morgens war dann auch das letzte bisschen Jet-Lag verschwunden und schlafen war kein Problem!
Der erste Surf am nächsten Tag war dann unerwartet gut, trotz noch nicht vollständig abgebauten Aracks, oder vielleicht gerade deswegen? Auf jeden Fall wurde der Surfurlaub wie üblich in Canggu eingeläutet und natürlich mit meinen Surf-Chickas! Clara und Miri waren schon da und Karin sollte in 2 Tagen nachkommen.
Was kann man sich besseres wünschen? Endlich machten die Birds wieder gemeinsam die Line-ups unsicher. Zeit wurde es!!
Es sollten viele feine Sessions folgen, der Swell meinte es gut mit uns. Es gab jeden Tag irgendwo was zu Surfen! Von mittelprächtig bis „ gourgious, wicked, f…..g awsome!“. Wobei man dazusagen muss, dass man in Bali ja schon ziemlich verwöhnt ist! Ein medium-Tag in Bali würde uns in Europa schon ein „ f…..g awsome!“ entlocken. Das soll nicht heißen, dass nicht auch Europa Surftage hat, an denen ein Indo-Local neidisch wäre (obwohl er wahrscheinlich nur vom Strand aus zusehen könnte, um nicht im Wasser zu erfrieren).
Natürlich dürfen im Vorfeld jeder einzelnen Session die ausgiebigen Diskussionen nicht fehlen, welcher Spot wohl bei den aktuellen Bedingungen der beste wäre! Die gehören einfach dazu. Da wird sämtliches Fachwissen, jahrelange Bali-Erfahrung und natürlich das richtige Lesen der Tide-chard gefordert und das ganze dann mit der persönlichen Interpretation des Swell-forecasts in Einklang gebracht! Kein leichtes Unterfangen und meistens hat jeder recht! Kann schon ein Abendessen lang dauern bis man sich geeinigt hat, oder man einigt sich darauf , es in der Früh spontan zu entscheiden! Es ist auf jeden Fall immer spannend wie sich das Meer dann wirklich präsentiert. Trotz Fachsimpelei gibt es immer einen Faktor X. Das ist sicher einer der Gründe warum der Sport einfach nie langweilig wird. Insgesamt hatten wir es meistens gut erwischt, bzw. dermaßen gut berechnet…und Faktor X war uns gnädig!
Auch bei den täglichen Mopedfahrten, die ja die einzig wirklich rasche Fortbewegungsmöglichkeit auf Bali sind, gab es keine gröberen Zwischenfälle. Einmal musste ich jedoch einen „ Bengkel“ (= Machaniker) aufsuchen, da sich die Luft aus meinem Reifen plötzlich verabschiedet hatte. Mir fiel das aber erst durch die unnatürliche Kurvenlage auf. Es traf sich jedoch günstig, dass ein junger Indo am Strand war, der zufällig einen Bruder hatte, der einen Freund hatte, der in der Nähe eine Werkstatt hatte! Nachdem ich dorthin eskortiert, mit Getränk und mein Moped mit neuem Innenreifen versorgt worden war, empfand ich die 1,5€ als durchaus gerechtfertigt! Ich rundete auf 2€ auf und erntete breites Lächeln und überschwänglichen Dank! So mag ich Bali, noch nicht so touristen-verdorben sondern bescheiden, freundlich und hilfsbereit.
Auch surftechnisch gab es keine gröberen Probleme. Mein bereits gesnapptes 5.10er wurde weiter zershreddet, sodass seine Tage nun endgültig gezählt sind, andererseits: Todgeweihte leben länger! Einmal schafften Clara und ich es, so geschickt zu slammen, dass sich unsere Leashes verwickelten und wir letztendlich beide ohne Board im Meer schwammen. Das war dann auch schon der schwerste Zwischenfall! Sonst pushten wir uns gegenseitig, beschimpften gemeinsam, oder getrennt voneinander, die Wellen, freuten uns über optische Genüsse am Line-up oder dizzten Line-up-machos, für die Mädls auf Surfboards nur Dekoration sind. Die Sorte mögen wir nämlich ganz besonders!
Da ja 2 Surfsession täglich nicht ausreichen, bildete ich mir teilweise auch noch ein, Skaten gehen zu müssen. Schließlich verfügt Bali inzwischen über einige feine Concrete-Pools und eine indoor-Street-Halle! Kann ich nur empfehlen, vor allem wenn man endlich wieder einmal so richtig schwitzen möchte! Nach 5 Minuten skaten war ich genauso nass wie frisch aus dem Meer und gleich salzig!
Eventuell könnte diese leichte Übermotivation ein Mitgrund für die anschließende Mittelohrentzündung gewesen sein, die mich 3 Tage außer Gefecht setzte. Naja, wenn man seinem Körper keine Pause gönnt, dann holt er sich eine! Das war dann auch der einzige gesundheitliche Zwischenfall, von unserer Seite! Am Camp gabs genug zu behandeln! Von simplen kleinen Verletzungen bis zur Blutvergiftung.
Partytechnisch konnte die erste Anti-jet-lag-Cocktailnight auch in den weiteren 4 Wochen nicht überboten werden. Obwohl wir ein nettes Lokal gleich ums Eck vom Camp entdeckten! Aber der Schwerpunkt in Bali liegt einfach beim Surfen. So sollte es auch sein! Als ich dann schließlich wieder am Flughafen stand, wieder mit dem selben Sonntags-Lächeln im Gesicht um die Schalter-Lady milde zu stimmen, kam es mir vor als wäre ich erst angekommen. Nur meine Schultern sagten das Gegenteil. Da ich vor lauter Gier die letzten Tage drei Sessions täglich im Wasser war, war meine obere Körperhälfte gänzlich am Ende. Fertig-gesurft! Keine einzige weitere Surfsession wäre mehr möglich gewesen. So freute ich mich richtig auf zuhause und ein paar Tage einfach nichts tun!
Diese Freude wurde aber schon in Frankfurt beim ersten Blick aus dem Fenster geschmälert. Alles grau in grau, Nieselregen und weit und breit kein Meer! Nach der Ankunft in Graz merkte ich, daß es inzwischen auch schon deutlich kühler geworden war, so richtig Herbst. Dafür konnte ich ohne Schweißausbruch mein Gepäck in die Wohnung tragen und endlich wieder gerechtfertigt eine Beanie tragen! Es hat alles seine Vorteile! Vielleicht war es mir ja auch ein kleiner Trost, dass ich bereits den nächsten Urlaub gebucht hatte, bevor ich nach Bali flog…………;) Marocco, wirf schon mal die Wellenmaschine an!
Bis densen,
Eure Dr. Lisa

